Vechelade
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Heimatkundlicher Vorspann Die Landschaft des Siedlungshügels wurde schon vorher charakterisiert als markante Erhebung in der hier etwa 1,5 km breiten Niederung des Aueflusses, der wenige hundert Meter in Südnordrichtung verläuft. Diese Erhebung aus Schotter, Kies und Sand dürfte ein Rückstand aus den Geschieben der eiszeitlichen Gletscher bzw. eine Staubablagerung im Zuge der Flußbildung nach jener Zeit sein. Die Aueniederung, die sich von etwa 15 m hohen aber flach geböschten Hängen der mit Böden aus eiszeitlicher Ablagerung und auch Sandlös versehenen "Peiner Tieflandsbucht" hier auf etwa 70 m über Meereshöhe senkt, ist mit Talsand gefüllt, der aber nur stellenweise und an den Rändern an die Oberflache kommt und sonst von Lehm mit Raseneisenerz sowie von Moorerde und hauptsächlich Flachmoor bedeckt ist. Diese Formung der Land­schaft erfolgte etwa seit 20 000 Jahren, nachdem die Aue, wie alle norddeutschen Flüsse, ihren Verlauf in den Ablagerungen der Eiszeiten gefunden hatte. Die Entwicklung der Bodenbedeckung kann man sich im Rahmen der Gesamt-entwicklung in unserem Gebiet vorstellen: Der erste abgelagerte Boden, im Süden (südl. der "großen Straße") besonders der vom Winde angewehte Löß, wurde von Gräsern und Seggen bewachsen, so daß eine "Tundra"-Landschaft entstand. Danach fanden sich zuerst Birken und später Kiefern ein, die bis etwa 7 000 v.Chr. mit dem wärmer werdenden Klima schon Waldbestände bildeten, in deren Lichtungen die Besenheide wuchs, während in den Niederungen Beerengewächse (Krähenbeere) und das Schilfrohr sich eingefunden hatten. Im nächsten Jahrtausend hatte sich bereits der Hasel in den Birken-Kiefernwäldern verbreitet und bedeckte die Erle die sumpfigen Gründe. Um 4000 v. Chr. war die Eiche schon charakteristisch und haselreiche Eichen-Birken-Walder, mit Ulmen, Linden und Eschen bedeckten Norddeutschland und hatten die Kiefer in den nordöstlichen Raum verdrängt, während sie bald die Hainbuche in ihre Gesellschaft aufnahmen und erst etwa ab 1200 v.Chr. der Rotbuche Platz gaben. Um diese Zeit ist der Mensch bereits maßigeblich in und an der Landschaft wirksam durch Benutzung der Bewachsung mittels Vieh (Waldweide) und Rodung. Gefundene Geräte aus Knochen und Feuerstein bekunden das Leben des "Urmenschen" der "Steinzeit" nach Rückgang der Vereisung als primitiven unsteten Jäger, der in Horden den Wildherden folgte. Die Stelle eines größeren Lagers der Steinzeitmenschen wurde beim Ausbau des neuen Stadtgebietes Lebenstedt entdeckt. Solche Funde geben besonders Auskunft über die Steingeräte, mit denen die Tiere erlegt und zerwirkt wurden, und auch über die erlegten Wildarten, vor allem Rentier, Wildpferd, Wisent, Mammut und Urochsen. Temperaturanstieg und Waldausbreitung und der damit verbundene Reichtum an Standwild (Rothirsch, Reh, Wildschwein) sowie an Früchten des Waldes machten den Menschen standorttreuer und ließien ihn, auch zwecks Vorratshaltung ständigere Wohnplätze anlegen, besonders in der Nähe von Flußläufen, um das lebensnotwendige Wasser und auch Fische zu haben. Sonach konnte auch auf dem Hügel an der Aue ein Lager- bzw. Wohnplatz von Steinzeitmenschen gewesen sein, zumal er trocken und sonnig war; und man kann sich vorstellen, wie diese fellbekleideten, zotteligen und groben Urmenschen von hier ausschwärmten, um den Ur zu jagen, dessen Vorkommen später beim Torfstechen gefundene Skelettreste bezeugten. Mit der Seßhaftigkeit lernte der Mensch mehr und mehr, aus den Gegebenheiten der Landschaft Nutzen zu ziehen. Er nutzte das Holz zum Bau von Hütten und von Zäunen gegen die wilden Tiere, den Lehm aus dem Boden zu dichteren Wänden und den Ton zu Gefäßen. Er begriff, daß aus Getreidekörnern Ähren für die Ernährung wuchsen, wenn man sie in den Boden brachte - und lernte den Ackerbau mittels Waldrodung und Bodenbearbeitung mit dem ersten "Hakenpflug" aus Baumasten. Einflüsse durch zugewanderte Horden förderten diese Entwicklung, z.B. durch Mitbringen von Ziege, Schaf und gezähmtem Pferd aus Vorderasien, bis zur Verwendung der aus Kupfer und Zinn bereiteten Bronze als epochemachenden Werkstoff der "Bronzezeit" (1900 - 750 v. Chr.), in der die Kelten auch unser Gebiet mit dem ersten kulturellen Stempel versahen (Hünengräber, Sprachreste), bevor die Germanen einzogen. Mit der Landnahme der von Norden kommenden germanischen Stamme, gebietlich durch Stammeskämpfe wechselnd, beginnt die eigentliche volkstümliche Kulturgeschichte unseres Gebietes ("germanische Eisenzeit" von etwa 750 vor bis 500 nach Chr.), deren Anfang von Ortsnamen und anderen Bezeichnungen sowie von Funden (Kult- und Grabstellen) bekundet und auch von ältesten Geschichtsschreibern bezeugt wird. So berichten Römer aus der Zeit (um Christi Geburt) ihrer Heereszüge und Besetzungen in Germanien, durch die die kulturelle Entwicklung der germanischen Siedler hier auch beeinflußt wurde, zumal der römische Handel sich bald über Norddeutschland ausbreitete und zur Anlage der größieren Verbindungswege beitrug. Von den rivalisierenden Stämmen nahmen die Sachsen das Gebiet zwischen Elbe und Weser endgültig in Besitz und gaben, gemischt mit Teilen der unterworfenen Stämme, wie Cherusker und Thüringer, der Entwicklung in unserem Gebiet ihre Prägung. Diese war gekennzeichnet durch eine demokratische Verfassung, nach der innerhalb der Gaue (bei uns der Lera-Gau im Gebiet Ostfalen) das auf Viehhaltung und Ackerbau eingestellte Leben durch die Markgenossenschaft markiert war mit der Dreifelderwirtschaft (Sommerfeld, Winterfeld und Brache) und der gemeinsamen Nutzung von Wald- und Weide-flächen, sowie durch eine von den freien Markgenossen gewählte Führung und Gerichtsbarkeit und durch den Kult germanischen Gotterglaubens in Hainen und an Quellen und mit dem weißen Roß - das wir seither im Landeswappen haben -. Solche sächsisch-germanische Lebensform wurde dann "gleichgeschaltet" der frankisch-römisch-christlichen nach Unterwerfung durch Karl d.Gr., ier durch grausame Maßnahmen wie Massen-Hinrichtungen, Enteignungen, Vertreibungen, Fremdansiedlungen, Besetzungen und Zwangsverwaltung dem langen Behauptungskampf der Sachsen ein Ende machte und mittels seiner kirchlichen (Bischöfe und Priester) und weltlichen (Grafen und Voigte) Beauftragten auch hier die Grundlagen für die Formung des Lebens der Völkerschaften in Staatengebilden des "christlichen Abendlandes" schuf. Im Rahmen dieser Staatenbildungen über Jahrhunderte mit ihren Kriegen um Macht- und Geltungsanspruche der großen und kleinen "Potentaten" politischer und kirchlicher Art, verlief das Leben der Generationen auch in den hiesigen Ansiedlungen. Sie waren nach Ablösung der demokratischen Lebensgemeinschaft freier Bauern durch die meist erbliche "Feudalherrschaft" dieser 'untertan" geworden und preisgegeben allen Nöten, die durch dieselbe entstanden, den Verheerungen, Plünderungen, Quälereien durch Kriegsvolk und Raubrittern und auch den drückenden Lasten der Abgaben und Dienstleistungen. So forderten im hiesigen Gebiet besonders die Kämpfe zwischen dem Bistum Hildesheim und dem Herzogtum Braunschweig sowie zwischen der nach hanseatischer Freiheit strebenden Stadt Braunschweig und den braun-schweigischen Herzögen viele Opfer, und wurden auch etliche Dörfer zerstört. Solche dauernden Drangsale veranlaßten viele Einwohner, ihr Anwesen aufzugeben und sich in den Schutz und die bürgerliche Freiheit der Städte zu begeben. Das vermehrte die Anzahl der "wüsten Stätten". Die Wüstungen Glinde und Rischau nahe Wedtlenstedt, Klein Wahle nordwestlich und der Birkenhof nordostwärts des Lah-Hügels - und vielleicht auch dieser -künden von solchen Schicksalen. Aber außer den Drangsalen, denen die Bevölkerung durch die "Feudalherrschaft" ausgesetzt war, weist die Geschichte auch deren wohltätige Wirkungen aus; Die Forderung der wirtschaftlichen Existenz der "Untertanen" und ihrer geistigen und seelischen Bildung, die Regelung und Entwicklung der Land- und Forstwirtschaft zum unmittelbaren Lebensunterhalt aller mittels Befreiung der Bauern und wirtschaftlichen Instandsetzung der land- und forstwirtschaftlichen Flachen (Flur- und Ablösungsordnungen), den Aufbau von Handel, Industrie, Verkehr und repräsentativen Gebäuden und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Pflege von Wissenschaft und Kunst und die Fürsorge für Minderbemittelte oder Notleidende. Solcher wohltätigen Wirkung verdankt Vechelade seine Existenz als jüngstes Dorf des Landkreises Braunschweig!
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