Vechelade
© Copyright & Design by Vechelade.eu  2014 
Ein kleiner Hinweis: Die Abschriften hier entsprechen dem Original wie früher geschrieben wurde.
SIEDLUNGSGESCHICHTLICHE VORBETRACHTUNG Rätsel um den Ort "Vechtla" Die eigentliche Chronik einer Ortschaft beginnt mit deren ersten namentli­chen Bekundung. Solche Bekundungen der Ortschaften unseres Gebietes er­folgten erst von der Zeit an, als durch Karl d.Gr. nach Unterwerfung der Sachsen die Bestandsaufnahme und Verwaltung des Gebietes eingeleitet wa­ren und in der Folgezeit die Anlage und Fortführung von Verzeichnissen über Ortschaften, Personen, Rechte und Pflichten (Zehntabgabe) sowie die Aus­stellung von Urkunden über Eigentumszuweisungen, Belehnungen usw. "amt­lich" wurden. Außer den Ortsbenennungen, deren Identität infolge der dama­ligen Ausdrucks- und Schreibweise auch nicht immer zweifelsfrei erscheint, enthalten die ältesten Urkunden in den Archiven jedoch verständlicherweise meist keine Angaben, die Schlüsse auf Gründungsmotive, Lebens- oder Ver­kehrsverhältnisse der Ansiedler zulassen- wie z.B. über das Aussehen der Landschaft oder die Eigenart der Siedler. Diese siedlungsgeschichtlichen Merkmale sind in vorhandenen Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung über das betreffende Gebiet zu suchen oder müssen eigens "rekonstruiert" werden, auch mittels mutmaßlicher Herleitungen. Hierzu ist besonders Ver­anlassung gegeben bei Ortschaften, deren Name in dem betreffenden größeren Gebiet außergewöhnlich und seine urkundliche Ableitung zweifelhaft ist. Dieses dürfte der Fall sein bei den entwicklungsgeschichtlich verquickten Ortschaften Vechelde- Vechelade ! Der Wortstamm "Vech" ist hier weit und breit so ungewöhnlich, daß sich die Annahme aufdrängt, die Ansiedlung sei eine fremde im hiesigen Stammesgebiet gewesen. Als "Vecheld'sche Lage" wird auf einer Karte im Jahr 1724 der Ort be­zeichnet, auf dem die neue Siedlung im Jahr zuvor gegründet wurde. Diese Bezeichnung hat der Landmesser nach dem Volksmund übersetzt aus "Vech'lah". Ähnlich wurde der Name für Vechelde bereits 1145 gesprochen. denn er erscheint in einer Urkunde als "Vechtla". Die Endsilbe "la" oder "Iah" ist von "loh" abgeleitet und hatte in ältester Zeit die Bedeutung für "Wald"; in Verbindung mit einem Eigennamen zeigte sie also eine Ansiedlung im oder am Wald an - wie bei unserem nahe gelegenen Dorf Timmerlah. Da der Name Vechtia von 1145 im Flurnamen Vech'lah von 1724 erhalten ist, drängt sich die Frage auf, ob der Ursprung Vecheldes nicht hier auf dem Hügel lag, zumal sich dieser zur Ansiedlung im schützenden Auebruch an­bot und ringsum die für die Menschen jener Zeit wichtige Viehweide gege­ben war. Mit Letzterer könnte auch die Vorsilbe Ve = feh zusammenhängen, die auf das altsächsische Wort "feho" für Reichtum (an Vieh) hindeutet. In­sofern böte sich auch eine Erklärung für das seltsame Wort "fehtlon" an, das aus der Urkunde Kaiser Otto's II. aus dem Jahr 1073 als Bezeichnung für Vechelde gehalten wird, und das vielleicht "fehtloh" sein sollte als örtlich­mundartliche Bezeichnung der Waldsiedlung mit Viehreichtum - von den ört­lich unkundigen fränkischen Kanzleischreibern aber mit der fränkischen Endung "on" versehen wurde! - Die Untersuchung um diese Urkunde führt aber noch zu einem anderen Rätsel: In einer nur zwei Jahre später von demselben Kaiser ausgestellten Urkunde werden Besitzungen der Kirche zu Utrecht am Fluß "feht", auch "Fecht" geschrieben, bestätigt. Es ist anzunehmen, daß auch diese Urkunde von dem­selben Kanzlisten geschrieben wurde, der die Urkunde über die Besitzungen der erzbischöflichen Kirche Magdeburg mit der Ortschaft "fehtlon" schrieb. Nun gibt es im Zuge der alten flämischen Handelsstraße, die von Antwerpen über Grave, Nimwegen, Deventer, Rheine nach Osten - auch über Braun­schweig nach Magdeburg - führte, einen Ort Vechel (wie unser Vechelde mundartlich gesprochen wird!), an dem der Fluß Aa (Aue! !) überquert wird, und den Fluß Vechte, der ebenfalls von dieser Straße überquert wird. Es wä­re also möglich, daß die Bezeichnung "Fehl" bzw. "Vech" in die hiesige Gegend "importiert" wurde; vielleicht zur Zeit Karls d.Gr. , der bekanntlich aus westlichem Gebiet Sippen unter den Sachsen ansiedelte, um diese unter Kontrolle zu halten; vielleicht später, als Niederländer zur Kultivierung der Flußniederungen ins Land geholt wurden, mit denen Namen wie Henties (Hent-jes), Flentje, Lütje, Staats (Stacjes), Baas, Brüggebos in hiesige Gegend kamen. Diese "Colonisten" könnten zuerst den "Lah"-Hügel besiedelt haben, der sich als markanter Ort anbot; Er begünstigte den Übergang über die sumpfige breite .Aueniederung und hatte wohl deshalb hier die älteste Wegführung von Peine über Wähle und Wedtlenstedt nach Brunswiek und Magdeburg veranlaßt, die auch die Verbindung zwischen den Archidiakonatskirchen Schmedenstedt und Denstorf herstellte, bevor weiter südlich der Brückenschlag über die Aue und die Anlage eines langen zwischen Wähle und Wedtlen­stedt bestand, geht daraus hervor, daß zwischen diesen Ortschaften eine Wassermühle gelegen haben soll, die später nach Vechelde verlegt wurde; auch ist auf alten Forstkarten die Wegführung von Sierße geradewegs nach Lehndorf über Wähle, Wedtlenstedt, Lamme bezeichnet. - Der Hügel hatte aber auch eine natürliche Abwehr-Lage an diesem Übergang und war mögli­cherweise in das Schutzsystem der brunonischen Grafen längs der Aue (Wendeburg, Wierthe, Watenstedt) einbezogen. Es wäre möglich, daß diese Bedeutung des Hügels der ersten Ansiedlung zum Verhängnis wurde; daß sie zerstört wurde, und die Bewohner sich als Ackerbauer auf dem fruchtbaren westlichen Ufergelände ansiedelten, teils in Wähle, teils aber die neue Sied­lung des heutigen Vechelde gründeten. Letztere gaben dieser den Namen der alten Siedlung, der aber auch im Flurnamen für den später von Vechelde als Wald genutzten ehemaligen Siedlungshügel erhalten blieb und der der Wieder­besiedlung des Hügels vom Schloß Vechelde her, den alten Namen "Vech'lah" lieferte, aus dem über "Vechellahe" und "Vechelage" schließlich "Veche- lade" wurde ! Ähnlich ist die ebenfalls vom Schloß Vechelde aus unternom­mene Gründung von Fürstenau, die auch auf einem in alter Zeit strategisch wichtigen und dann zerstörten Ort "Haslere" erfolgte und so die Annahme vom gleichen Schicksal der alten Anlage auf dem "Vech'lah-Hügel" bestätigen könnte! Bodenfunde, die eine frühere Besiedlung bestätigen würden, sind nicht bekannt. Der Hügel wurde stark abgetragen zwecks Benutzung des Erd­materials zu Bauten auf dem Gutsgrundstück in Vechelde! Vechelade, in der Heimatsprache richtiger "Vechelah", hat jedoch den sied­lungsgeschichtlichen Vorzug, daß es den alten Siedlungsnamen weiterführt und daß es somit auch ein Denkmal ist für den Ursprung der beiden Ort­schaften Vechelade und Vechelde!
next next Home Home next next Home Home