Vechelade
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Die Entwicklung der Eigenständigen Gemeinde Befreiung von der Abhängikeit Die Befreiung von der “Untertänigkeit” wurde eingeleitet durch die sich infolge der französischen Revolution anbahnenden Auflösung des fürstlichen Absolutismus und anfänglich verwirklicht in der Zeit französischer Verwaltung des braunschweigischen Gebietes im “Königreich Westphalen” unter dem Bruder Napoleons, Jerome. Letztere brachte der Bevölkerung Drangsale, besonders durch Contributionen und Erpressungen zum französischen Kriegsdienst, aber auch den Beginn eines demokratischen Führungssystems z. B. durch Gleichstellung aller Bürger vor dem Gesetz, Abschaffung der Vorrechte von Ständen und der Reste von Leibeigenschaft und Personendienst, Einrichtung der Geschworenengerichte. So wurde auch das Fürstliche Gericht Vechelde aufgelöst und dem “Canton” Bettmar angegliedert, wo es ab 1814 beim Kreisgericht verblieb; und dieses wurde dann 1825 an die Stele des von 1819 ab leerstehenden Schlosses verlegt. Die bedeutendste Fortsetzung dieser bürgerlichen und gemeindlichen Begünstigung erbrachte die volksnahe, sparsame und auf allen Gebieten förderliche Regierung des Herzog Wilhelm (1831-1884), die sogar die im Jahr 1848 Deutschland durchgeisternden Revolutionsbestrebungen als hier unnötig überstand. Sie brachte u. a. den Gemeinden die zu ihrer Selbstverwaltung führende Landgemeindeordnung, die Einrichtung von Kommunalverbänden, die gesetzliche Fundierung der Gemeindeschule und die Wahl der Kirchenvorstände, und vor allem die Ablösungsordnung vom 20.12.1834, durch die sich die Landbevölkerung von der Abhängigkeit von Grundherren freikaufen konnte, und die Gemeinheitsteilngsordnung, die zur Bildung des eigentlichen Areals bzw. Eigentums der “Interessenten” bzw. Gmeinden führten, nachdem die Abfindung und Trennung (“Separation”) der an den Grundstücken Berechtigten (z. B. gemeinsame Weide) erfolgte und eine entsprechende Vermessung und Bonitierung vorausgegangen waren. Die Separation (Spezial-S.) wurde von den Gemeinden Vechelde und Vechelade gelegentlich der von Herzogl. Direktion der Domänen wegen des Herzogl. Gutes Vechelde bei der zuständigen Landes-Ökonomie-Commission eingeleiteten (1844) Generalseparation beantragt. Beteiligt waren an diesen beiden zusammengefassten Verfahren, die vom allem die Weideberechtigungen betrafen, die Direktion der Domänen für die Domäne Vechelde, den Klosterhof zu Wedtlenstedt und das Kreuzkloster zu Braunschweig, die Gemeinden Vechelde und Vechelade, Wedtlenstedt, Denstorf und Wahle als Generalseparations-Interessenten. Vertreter für Vechelade als erwählter Syndikus war Brinsitzer Riefenberg Nr. ass.25, nach dessen Tode (ab 1859) Brinsitzer Fricke Nr. ass. 10. Als Bestandteile hatte die Gemeinde Vechelade aufzuweisen: 29 Brinksitzerstellen Nr. ass. 1-29, 1 Anbauerhaus Nr. ass. 32 (das nicht an der Separation beteiligt war), 2 Gemeindehäuser: Backhaus Nr. ass. 30 und Armenhaus Nr. ass. 31. Die Gesamtfläche der Hof- und Baustellen betrug 3 Mg 32 Qr, die Gärten 10 Mg 96 Qr; Weiderecht: 1, azf der Vechelder Feldmark: Mithude auf den im Dreifeldersystem bewirtschafteten Äckern nach der Ernte, auf den Wiesen außerhalb der Schonzeiten, auf dem Anger “Am Wahler Wege” ganzjährig, auf den herrschaftlichen Forstflächen “Das Klosterlah” (Niederwald) ganzjährig, auf den herrschaftlichen Forstflächen “Das Heglah” (Niederwald) ganzjährig außer bei Einhegungen; 2. auf der Wedtlenstedt Feldmark: Mithude auf der Klosterwiese, dem großen und kleinen Sumpf auf der Schäferwiese außerhalb der Schonzeiten;  3. auf der Denstorfer Feldmark: Mithude auf der Voigtswiese außerhalb der Schonzeit und auf dem Anger “Kleine Heide” längs der Herrstraße. Da auf Grund komplizierter Wertberechnungen der von den Beteiligten in der Teilungsmasse eingebrachten Eigentümer oder Berechtigungen diesen wertentsprechenden Objekte in der neu vermessenen und eingeteilten Gemarkungen zugewiesen werden sollten, und oft streitige Ansprüche unter den vielen Beteiligten geschlichtet werden mußten, dauerten die Verfahren meist lange. Beispiele der Verhandlungen: Es mußte für die bauliche Entwicklung und für die Einnahmequellen der Gemeinden gesorgt werden. So schlug das Amt Vechelde vor: Reserveflächen für Vechelade zu 6 Neubauten von 25-30 Qr. Größe und 4 Mg Land, die einen Pachtzins von 7-8 T einbrächten. Zum Rotten des Flachses (1847 wurden 19Mg abgebaut!) genügten nach Erklärung der Interessenten die Abzugsgräben und zum Trocknen ständen die abgeernteten Äcker zu Verfügung. Al Schindanger genügten, wie bisher, die Sandgruben. Über einen Platz zum Behauen des Bauholzes sollte die Commision befinden. Der Anteil Vechelades am Vechelder Hirtenhaus von 1/6 wurde mit 50T abgefunden, derjenige am dortigen Spritzenhaus ebenfalls mit Geld, der an der dortigen Lehmgrube (Töpferkuhle) von 1/3 wegen der Beteiligung an der Unterhaltung der Wege un an den Kosten des Kirch-, Pfarr- und Schulverbandes sollte mit 1/3 Anteil an der Lehmgrube bei Vechlelade abgegolten werden. Und so wurde das Verfahren erst am 15.10.1866 mit der Ausfertigung des Nachweisbuches, des “Rezesses” beendet, nachdem dieser für die Gemeinde Vechelade von Syndikus Hr. Fricke unterzeichnet war. Dieser Rezess weist in der Planabfindung aus: Für die “Gemeindekasse” als gemeinschaftliche Anlagen: In der Dorflage 2 Qr für das Backhaus Nr. ass. 30, auf dem Anger bei Vechelade 60 Qr für das Armenhaus Nr. ass 31, für die Weide- interessenschaft 70 Qr auf dem Anger bei Vechelade. für die Kirche 1 Mg 68 Qr (Friedhof) auf dem Anger bei Vechelade. Für die Gemeinde die hälfte am Eigentum des Spritzenhauses in Vechelde. Für 28 Brinksitzer je 30-73 Qr Grundflächen in der Dorflage, für einen (Greite Nr. ass. 24) von 3 Mg 5 Qr. Die Brinksitzer erhielten jeder Angerflächen vom “Anger bei Vechelade”, “Bruchanger” und vom “Klosterlah”, so daß jeder außerhalb der Dorflage eine Gesamtfläche von etwa 2-4 Mg hatte, allerdings in meist schmalen Streifen. Außerdem erhielten sie Rottenflächen (je zu 1,25 Qr) zur Flachsbereitung im Entwässerungsgraben des Bruches südöstlich des Dorfes mit der Verpflichtung, das Wasser nur bis zu einer gewissen Höhe anzustauen; dazu wurde eine Fläche von 18,25 Qr für die Gemeinde reserviert zwecks Verwendung für die Häuslinge. Am Beispiel der Bringsitzerstelle Nr. ass. 7 des Gemeindevorstehers Rieks, der ein Areal mittlerer Größe hatte, wird die Teilungs- und Abfindungsverfahren deutlich: Hofstelle                                     14Qr Garten                                        34 Qr,    Wert   47,03 Ggr Weideberechtigung                           Wert  211,50 Ggr Soll a. d. Teilungsmasse                             258,53 Ggr a. f. gemeinschaftl. Anlagen                     7,90 Ggr, bleiben 250,63 Ggr Abfindung nach der Separation: 34 Qr Garten, als Acker I. Kl. bonitiert zu 166 Ggr. je Mg =  47Ggr. 81 Qr “ Bruchanger”   I. Kl.    22Qr    137 Ggr                                                               II. Kl.   20 Qr    120 Ggr                  64,98 Ggr.                                                             IV. Kl.   16 Qr      80 Ggr.                                                             VI Kl.    23 Qr       48 Ggr 60 Qr “Anger bei Vechelade”                                                            IV Kl. 32 Qr            80 Ggr                                                             V Kl. 25 Qr             60 Ggr                                                   VIII Kl.   3 Qr               3 Ggr
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