Vechelade
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Begründung und Beginn  VECHELADES BEGRÜNDUNG UND BEGINNEN Fürstliche Herkunft und Patenschaft Als "Die neuen Häuser auf der Vecheldschen Lage" tritt die Ansiedlung erstmalig amtlich in Erscheinung auf einem Plan von Vechelde, gezeichnet im Jahr 1724 von H. P. Westensee. Der Plan weist am Rande vier Häuser auf und kennzeichnet wohl nur den Anfang der Siedlung. Dieses wird bestätigt in einer Akte aus dem Jahr 1753 über die Vernehmung der Einwohner zu "Vechelah" über die Erbauung des Ortes und die dabei gewährten Freiheiten: Das Dorf sei 1723 "successive" angebaut, also nach und nach. Und in der Dorfbeschreibung von Hermann Adolph Boden aus dem Jahr 1755 geht hervor, daß "Vechelage" vor ungefähr 29 Jahren, also im Jahr 1724 angelegt sei und zwar "auf gnädigste Anordnung der Durchlauchtigsten Frau Herzogin Elisabeth Sophia Maria unter Gewährung besonderer Vergünstigungen für die "neuen Anbauers". In der Topographie des Herzogtums Braunschweig von Knoll aus dem Jahr 1897 ist zu lesen "Am Ende des Dorfes Vechelde ließ die Herzogin Sophie 1724 eine Kolonie für arme Tagelöhner anlegen". Die Gründung erfolgte also als wohltätiges Werk einer Herzogin. Wer war diese und in welchen Verhältnissen wirkte sie ? In einer Bittschrift ihrer Untertanen von Fürstenau wurde sie betitelt "Durchlauchtigste Fürstinn und Frau, Frau Elisabeth Sophia Maria Hertzoginn zu Braunschweig und Lüneburg, geborene Hertzoginn zu Schleswig-Holstein, Stormarn und der Dittmarschen, Gräffinn zu Oldenburg und Delmenhorst etc. ...". Sie war die am 2. September 1683 geborene Tochter des Herzog Rudolf Friedrich von Holstein-Nordburg und Wittwe des Prinzen Adolf August von Holstein-Plön und heiratete am 12. September 1710 in Arendsboek den damit zum dritten Mal verheirateten, am 8.3.1662 geborenen Sohn August Wilhelm des Braunschweigischen Herzogs Anton Ulrich. Der Ehevertrag, der das Heiratsgut und Ehegeld bestimmte, die Überschreibung des Hauses und Amtes Lichtenberg, nach erfolgten "Beilager" als "Morgengabe" u.a. die Schenkung des Schlosses "Grauer Hof" in Braunschweig mit Garten und Mobiliar und den "Großen Garten" nebst Kamp und Wiesen in Wolfenbüttel, wurde ergänzt -infolge Abstandnahme der jungen Ehefrau vom Gut Lichtenberg wegen hoher Instandsetzungskosten - durch die wiederkäufliche Übertragung des Gutes Vechelde, das von den "Lantensack' sehen Interessenten" befreit wurde. Durch diesen Wiederkaufsvertrag mit ihrem Schwiegervater Herzog Anton Ulrich wurde die Erbprinzessin "E. S. M. " Herrin des Fürstlichen Gutes Vechelde und bald auch Gerichtsherrin über Ort und Gemarkung. Sie bewohnte das Schloß, das Herzog Rudolf August im Jahr 1695 an Stelle der von Herzog Friedrich (um 1390) errichteten, dann bis 1671 im Besitz der Stadt Braunschweig gewesenen Wasserburg für seine zweite, bürgerliche Ehefrau "Madame Rudolphine" als Lustschloß bauen ließ, vornehmlich im Sommer und Herbst und wartete darauf, Herzogin zu werden. Das geschah am 27.3.1714 mit dem Ableben ihres Schwiegervaters und dem Regierungsantritt ihres Gemahls Herzog August Wilhelm. Dieser erwies sich als ziemlich unfähig, nachdem er vorher bei Reisen zu europäischen Höfen, besonders in Frankreich, in seiner Neigung zur glanzvollen Hofhaltung jener Zeit bestärkt und durch Ausschweifungen geschwächt sich den Machenschaften, der Mißwirtschaft und Verschwendungssucht seines Günstlings, des schnell vom Pagen zum Reichsgrafen avancierten Cammerrath von Dehn ausgeliefert hatte, und so, zwar gütig aber energielos, nur dem Namen nach regierte. Die Pracht seiner Hof-Haltung und Bauten (Schloßerneuerung und Trinitatiskirche in Wolfenbüttel, Schloß "Grauer Hof" in Braunschweig) häufte die Schuldenlast - trotz der Gelder für den "Verkauf" von 5000 Soldaten an England -, die er dem Land hinterließ, als er am 23.3.1731 kinderlos verstarb. Herzogin "E. S. M. ", die wohl gegen die Energielosigkeit ihres Gatten und die Machenschaften des v. Dehn nicht aufkam - obwohl sie dessen Einfluß auch zu nutzen wußte - , war inzwischen ihren Neigungen nachgegangen. Sie widmete sich "ihrer Residenz" Vechelde, von wo aus sie das Gut Fürstenau (1719), die Siedlung ihrer Bediensteten "auf dem Vechel' Lahe"(1723) und Lustschloß und Gut "Sophienthal" (1724) gründete. Die Veranlassung des Baues der Schloßkapelle in Vechelde (1720), die Raum für alle eingepfarrten Gläubigen hatte, und deren Ausgestaltung mit Ornamenten und Bibliothek bezeugen ihre Frömmigkeit, die auch durch ihre religiösen Schriften und ihre berühmte Bibel-Sammlung zum Ausdruck kam. Bei der Gründung und Verwaltung der Güter erwies sie sich als zielstrebig, aber auch als für- sorglich. So wußte sie sich, als sie für ihre Anlage Fürstenau das von der Kurhannoverschen Linie zu Lehen gehende, vormals Fürstlich Grubenhagersche Lehngut "Haslar"(auch Haselhof und Nappenhof genannt) im Jahr 1716 für 7200 Taler gekauft hatte, des Vorkaufsanspruches der Frau von Oberg mit Hilfe der Entscheidung des Königs von Großbritannien (dem ihr Gatte Soldaten verkauft hatte !) zu erwehren; wie auch den auf einem Landtagsbeschluß von 1601 begründeten Einsprüchen der Gemeinden Wendeburg, Wendezelle und Zweidorf gegen die Anlage eines "ganz neuen Dorfes" Sophienthal von "lauter Brinksitzern, so auf der Benachbarten Conto leben müssen", die contributionsfrei seien und deretwegen sie gehalten seien, ihre eigenen Weiden übertreiben zu lassen und ihnen die Durchtrift ihres eigenen Viehes durch die Holzmark verwehrt würde. So kam auch ihr fürsorgliches Wesen zum Ausdruck dadurch, daß sie die Ansiedler frei hielt von Contribution, Landschatz, Reutergeld, Fourage-geld u.a. und daß sie ihren Bediensteten abgabefreie Wohnungen baute. Sie wußte aber auch - vielleicht beeinflußt durch die nach französischem Muster (Versailles) ausgerichtete herzogliche Hofhaltung im Schloß Salzdahlum - ihre standesgemäße Lebenshaltung wahrzunehmen, die neben ihren Belastungen durch ihre fürsorglichen Maßnahmen zu einer Verschuldung der Güter führte. So weist die Aufstellung ihres nach ihrem Tod hinterbliebenen Personals {48 Hofbediente unter Leitung des Grafen und der Comtesse Giannini) und Mobiliarbestandes eine ansehnliche Hofhaltung aus, und Herzog Carl August belehrt die wohl ungläubige Kanzlei, daß die verstorbene Herzogin ein eigenes Hofamt mit der Befugnis der Behandlung von Gerichtssachen gehabt habe. So wurde von ihr auch das damals zu jeder Hofhaltung gehörende Jagdwesen wahrgenommen. Sie hatte die hohe und niedere Jagd zu Fürstenau, Sophienthal und Vechelde, ließ die Grenzen durch Gräben und Steine markieren, auf denen ihr Zeichen "E. S. M. " und die Jahreszahl stand, unterhielt Jäger (so Johann Georg Fräter und Federschütze Fricke) und ließ sich bei Abtretung der Wildbahn von Fürstenau und Sophienthal im Jahr 1742 für ihre Hofhaltung jährlich verschreiben "5 Stück Roth- und 2 Stück Schwartzwildprett, l Reh, 15 Haasen, 7 Rebhühner, 17 Wald- und 3 Mohrschneppen, 6 Wildenten", unter Beibehaltung der Jagd zu Vechelde (einschl. Vechelade). Auch behielt sie die "Dienste in Vechelde und Vechellahde", zumal ihr das Gut durch Vertrag von 1712 (Witwenverschreibung) auf Lebenszeit überlassen, wurde. Neben ihren Interessen an der Verwaltung und Pflege ihrer Güter während ihres langen (36 jährigen) Witwentums unter der nur kurzen Regierung ihres Schwagers Herzog Ludwig Rudolf (gestorben 1735) und dann des Herzog Karl aus der Bevernschen Linie zeigte sie auch in ihren Schreiben Anteilnahme an den geistigen und politischen Strömungen der Zeit; so an den religiösen Umständen, die der Übertritt ihres Schwiegervaters Herzog Anton Ulrich zur katholischen Kirche (1710) ergab, und an der Situation des Landes zwischen den Bestrebungen der Machtstaaten - wobei sie sich für eine Anlehnung an Preußen einsetzte, mit dem das Herzogshaue durch Verheiratung Karl's I. mit der Schwester Friedrich's d,Gr. (Philippine Charlotte) und seiner Schwestern (Elisabeth Christine mit Friedrich d.Gr. und Louise Amalie mit Prinz August Wilhelm) verbunden war, und sie sich somit auch gegen die durch den Übertritt zum Katholizismus bezeugten Neigungen ihres Schwiegervaters Anton Ulrich zum Habsburgisch-österreichischen Kaiserhaus stellte. Dieser machtpolitischen Auseinandersetzung war dann das Land im siebenjährigen Kriege (1756-1763) ausgesetzt, in dem die Bevölkerung unter den Truppen der "Reichsarmee" bzw. der Franzosen zu leiden hatte, bevor der Generalfeldmarschall Friedrichs d.Gr. , Herzog Ferdinand, der nachherige „Gutsherrvon Vechelde" die Feinde besiegte und vertrieb. Diesem ruhmreichen und menschenfreundlichen Bruder des regierenden Herzog Karl I. wird die nun alternde "E. S, M. " gern Platz gemacht haben in Vechelde ! Nachdem sie ihren Sitz in Sophienthal schon früher aufgegeben hatte, beendete sie auch ihre Nutznießung des Gutes Vechelde infolge ihres Alters (81 Jahre) durch den vorgesehenen Wiederkauf durch Herzog Kar. Sie starb im hohen Alter von 84 Jahren am 3.4.1767 in Braunschweig und wurde nach fürstlich ausgestattetem Geleit von Braunschweig nach Wolfenbüttel und Trauergottesdienst in der von ihrem Gatten erbauten Trinitatiskirche beigesetzt. Diese infolge der unbefriedigenden Ehe- und Regierungsverhältnisse mit ihrer Energie und Fürsorge zur schaffensfreudigen "Gutsherrin" gewordene Frau sah sich veranlaßt, nach geeigneten, im Bereich der Obhut und Abhängigkeit von der Gutsherrschaft gelegenen Behausungen und Anwesen für ihre Dienstleute zu suchen. Hierzu bot sich der Hügel "Vechel-Lah" an: Er lag nicht sehr weit, bot etwas Holz zum Bauen und Brennen (mit Eichen bestanden), und die Ansiedler konnten von hier aus eine zur Lebenshaltung der Familie notwendige Kuh bequem zur Weide gehen lassen. Ein anderer Grund zu dieser Wahl war wohl auch das Vorhandensein eines gutsherrlichen Anwesens: Am Südrand des Hügels stand bereits ein Häuschen. Hier wohnte der "Canimchen Förster", wie im Kirchenbuch 1725 zu lesen ist, Georg Heinrich Jungheim, der mit Dorothea Sofia Bindseil verheiratet war. Nach seinem Tode heiratete diese am 28.11.1727 den "getauften, flüchtigen Juden" (wandernden Händler?) Ludwig Ferdi Wilhelmi. Dieses Ehpaar hatte das Anwesen inne, das ab 1730 Brinksitzerstelle und von "E.S,M." vom Herrendienst und anderen Abgaben befreit war. Solche Begünstigung der vormaligen Ehefrau des Jungheim dürfte interessant sein, zumal ihre Kinder "Elisabeth Wilhelmina" und "August Wilhelm" (so hieß der Gemahl der Herzogin) hießen. Aus den Kirchenbüchern ist zu entnehmen, daß bei der Tochter das Herzogspaar Gevattern war, und bei dem Sohn, der die Nottaufe erhielt, der Herzog, der dem Kind seinen Namen gab! Der Herzog hatte auch bei Jungheims Tode der Witwe 38 Taler verordnet und nach ihrer Verheiratung mit Wilhelm I. diesem jährlich 76 Taler! Übrigens erscheint in den Kammer- Rechnungen der Name Wilhelm I. mit der Bezeichnung "Hof-Canzlist" (Anton, 1721) und "Cammer-Fourir" (Georg, 1725), so daß eine Verwandtschaft mit dem o.a. Wilhelm I. anzunehmen ist; der Name Jungheim mit der Bezeichnung "Laquay" und "Fourier". Letztere könnte annehmen lassen, daß Jungheim die "Kaninchenberg"-Anlage zur Zucht von Kaninchen für die herzogliche Tafel in Vechelde besorgte, also die Kaninchen wie Haustiere hielt und fütterte - zumal die Anlage mit einem Wassergraben umgeben war! Dieses wohl erste Anwesen wurde von Curd Greite aus Wähle mittels Kaufbriefes der Wilhelm I. vom 20.6.1741 für 200 Taler gekauft, wozu die Herzogin-Witwe "E.S. M." ihre Bestätigung schrieb: So haben wir die dabei ein vor allmahl gelegte Freyheit vorn Herrndienst und eine Kuh auf der gemeinen Weyde frey zu treiben, dem Käufer gnädigst confirmieren und bestä­tigen wollen". Greite war verheiratet mit Gretliesche Reineke und war guts­herrlicher Tagelöhner. Infolge der gutsherrlichen Anlage hatte er in der An­siedlung das größte Anwesen (l Mg 54 Qr.) mit größerem Garten, den er mit Bracksenkraut? (Futterpflanze?) und Korn bestellte, und der auch Obstbäume enthielt; auch war das Haus 1755 als einziges mit Ziegeldach und Schorn­stein versehen. Vom Kaninchenberge waren um diese Zeit noch Berg und Platz vorhanden, "die Thiere aber längst weg". Für das Anwesen erhielt sich im Volksmund der Name "Judenburg". Aus dem Dorf-Sippenbuch von Vechelade, das 1939 vom Verein für bäuerli­che Sippenkunde unter namhafter Mitwirkung von Lehrer Paul Behmann und Landwirt Otto Rieks in Vechelade gefertigt wurde und das eine ausgezeichnete Handhabe für die Chronik des Ortes bedeutet, sind folgende Ansiedler zu ermitteln - in der Reihenfolge der späteren Brandversicherungsnummern der Häuser: Erbauer 1723/24                                                  Inhaber 1755   Der Wechsel der Inhaber erfolgte oft durch Heirat zwischen den Familien oder durch Einheirat Auswärtiger. Die Anwesen waren nur 30 bis 50 Quadratruthen (l Qr. = ca. 21 qm) groß, mit etwas Gartenfläche bei dem mit Lehmwänden und Strohdach versehenen Häuschen, das außer der Familie eine Kuh bergen mußte. Im Jahr 1755 hatten fünf der Brinksitzer keine Kuh (Nr. 2, 5, 9, 16, 22) und alle kein Land. Sie waren Dienstleute des Gutes, zumeist als Tagelöhner, teils als Handwerker, teils als Hofdiener (z.B. Rickling als Porteuer, Hermann Struckmann als Kutscher). Neben dieser bescheidenen Erwerbsmöglichkeit blieb ihnen noch das Spinnen und Gelegenheitsarbeit sowie der geringe Nutzen aus Gartenfrüchten und einer Kuh. Für die letztere war ihnen der Weidegang auf dem Vechelder Anger gestattet, was aber von den Vechelder Interessenten ungern geduldet wurde. Holznutzung stand ihnen nicht zu, sondern: "... sie nehmen es gemeiniglich wo sie es finden". So werden sie auch Holz zum Backen in im in w aer aieaiung gelegenen gemeinsamen Backhaus "besorgt" haben. Die arme und abhängige Gemeinschaft behauptet sich. Aus einer vom Landkommisarius Morgenstern, Vechelde, im Einvernehmen mit Amtmann Bütemeier "in des Gastwirths Feerken Behausung" in Vecheldt 1753 durchgeführten, von Herzog Karl wegen evtl. ausstehender Contributionen veranlaßten Vernehmung der Einwohner zu "Vechelah" ist zu ersehen; Man habe jedem Anbauer die Versicherung gegeben, daß "drei freier Jahre haben", nach deren Ablauf aber dem fürstl. Guthe zu Sophien­thai einen Tag wöchentlich mit der Hand dienen u. dagegen von allen übrigen oneribus zu allen Zeiten befreit bleiben solle. Dieses wäre ihnen auch bis hieher so gehalten, außer daß jeder ein Rauchhuhn mit 3 mgr (Mariengroschen) und 6 Pfg Eyer-Geld, die ganze Gemeinde auch von den gemeinen Backhause 6 mgr Grundzins bezahlen müßte; daß demnach die Geld-Praestanda der Gemeinde sich jährlich auf 13 Taler 6 mgr und ein mehreres nich beliefen. Den Dienst leisteten sie bestän­dig in natura; und wenn einer durch Krankheit oder sonst behindert, dürfe der Dienst nicht mit Geld vergütet werden sondern mit Nachdienen, und rühre dieses daher, weil sie als Leibeigne angenommen wären. Wie auch jedem Hauswirthe eine Kuh frey auf den Vecheldschen Anger auszutreiben verstattet worden, so wäre ihnen dieses ebenmäßig gehal­ten. Anno 1748 wären sie zwar mit den Diensten von Sophienthai an hiesiges fürstl. Hauß verleget worden, bey der unter Direction des Herrn Cammer- Directors von Völkern geschehenen Übergabe aber von des dabey gegenwärtig gewesenen Herrn Marschais von Schwiecheld und des Herrn Rath deren Wohlgeb. ihnen die Versicherung gegeben, daß die geschehene Verlegung ihres Dienstes ihnen an ihrer bisherigen Freiheit von allen oneribus nicht nachtheilig seyn, sondern sie nach wie vor "vabry" geführt werden sollten. Außer den angegebenen Leistungen an das Gut hatten sie zu leisten: Für die Pfarre Vechelde jeder l mgr, zu Ostern 8 Eier; außerdem mußte jeder 1/2 Tag beim Flachs-Wenden helfen und mußte die Gemeinde 1/3 der Kosten der von der Gemeinde Vechelde zu besorgenden An- und Abfahrten des in Wedtlenstedt amtierenden Pfarrers leisten; für die Schule in Vechelde jeder 3 Eier und für jedes Kind, solange es noch nicht lesen kann, 8 mgr sonst 12 mgr. Dazu kamen die Sonderleistungen an den Pfarrer (für Beichten, Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse) und an den Schulmeister ("Opfermann") bei entsprechenden Gelegenheiten. Die Übergabe der Güter Vechelde mit Vechelade, Fürstenau und Sophiental am 10. Juni 1767 zur Nutzung durch Herzog Ferdinand brachte wieder Unruhe wegen der von den Kammer-Beamten angezweifelten Befreiungen. Hierbei mußten die “Untertanen” der vier Ortschaften - die Vechelah´schen geführt vom Baumeister Bernd Behrens - vor der Übergabe-Kommission (Cammerpräsident v. Völcker und Cammermeister Hohnstein für Herzog Karl, Landdrost v. Westphal und Secretarius Fein für Herzog Ferdinand, Oberjägermeister v. Rössing, Hofjägermeister v. Carlowitz, Oberamtmann Selle, Sekretär Faber und Land-Commissär Boden) treten, um sich über die veränderten Verhältnisse belehren zu lassen und “Mann for Mann” in des Landdrosten Hand Treu und Gehorsam dem neuen Gutsherrn zu geloben. Gegen die hierbei nachgeforderten Leistungen, die die Einwohner bereits bei einer vorausgegangenen Vernehmung abgewehrt hatten mit dem Hinweis, lieber Haus und Hof wüste stehn zu lassen, wendete sich die “Gemeinde Vechelah” mit Bittschrift com 6. Oktober 1767 an den Herzog: Es sei verordnet, daß die bisherige Freiheit “cessieren” solle und ab diesen Mechaelis Burgfestdienste, Baulebung, Hof- und Gartenzins zu entrichten seien. Da bei der Gemeinde “so wenig heiseige Länderey als Holz und Weydung gehöret und wir dabei weiter nichts als unsere Häuser, welche der gestalt schlecht sind, daß wir uns kaum des Winters darin verbergen können, besitzen, und uns durch Spinnen oder dan und wan durch Tagelohn kümmerlich ernähren müssen, so sind wir wegen unsere notorischen Armuth und Unvermögen nicht im Stande, solche praestanda zu entrichten. Wir fallen daher Ew. Herzgl.Durchl. in tiefster Demuth zu Füßen und bitten weh- und demütigst, Höchstdieselben wollen gnädigst geruhen, ein gnädiges Augenmerk auf unsere Bedürfnißvolle und Nahrlosen Umstände zu richten, und uns die gnädigst verliehene Freyheit, fernerhin höchstmildest zu schenken. In Erwartung höchst gnädigster Erhörung unserer unterhängsten Bitte ersterben wir in tiefster Demuth. Ew.Herzgl.Durchl. unterthänigstfußfälligste Knechte der Gemeinde Vechelade. Zum vergleich sei hier angemerkt, daß ein Mann als Tagelohn 4 mgr. erhielt, gleichbedeutend mit 4- 5 kg Roggen, und dazu Verpflegung. Land-Commissär Boden schrieb im Jahr 1777 an die Fürstl. Commission: Die Gemeinden “Vechelade”, Fürstenau und Sophiental sind von Contribution u. anderen publiquen Abgaben befreit gewesen, weil sie an allen dreyen Orten in schlechtesten und armselisten Umständen sind. Eine Zeither haben die Vecheladschen, weil des Herrn Herzog Ferdinand Durchl. vieles haben bauen lassen, wol etwas Tage- Lohn verdienet. Da aber das Bauen nunmehr cessiret so fällt auch das Tage-Lohn weg, und müssen sich die armen Leute bloßerdings vom Spinnen, wozu sie den benötigten Flachs anbauen müssen, erhalten. Schließlich bestätigte Herzog Karl mit Schreiben vom 21. Juni 1777 an die Commission die weitere Befreiung. Solche Bestätigung des Herzogs gegen die Meinung seiner Minister ist umso höher zu werten, als jede Einnahmequelle zur Besserung der durch den siebenjährigen Krieg belasteten Staatshaushaltes benötigt wurde; sie entsprach aber auch seinem Bestreben als “Landesvater”, die Existenz- und Wirtschaftskraft seiner Landeskinder, insbesondere der Landleute, zu fördern und Mängel und Nöte zu beseitigen (Gründung der Landesbrandkasse, des Leihhauses, der Witwen- und Waisenkasse, der Schulordnung usw.). Sein Bruder, der schenkensfreudige “Gutsherr von Vechelde” Herzog Ferdinand, dem nun die Vechelader dienten und der ihnen manche Wohltat und Patenschaft verlieh, wird zu dieser Bestätigung der Freiheit beigetragen haben. Mit dieser Behauptung ihrer von der Gründerin gewährten Vergünstigungen gegen die Crammer-Bürokratie hatten die Vechelah´schen wohl ihre erste große Bewährungsprobe als “Gemeinde” bestanden! Über den Personenstand der Gemeinde in dieser Zeit ist zu berichten: In den 10 Jahren von 1767 - 1776 wurden getauft 51, konfirmiert 26, verheiratet 15, begraben 61. Nach einer Zählung im Gerichtsbezirk Vechelde des Amtsbezirks Eich gab es im Jahr 1771 in Vechelade 32 Familien; 26 Brinksitzer, zugehörig 26 Frauen, 22 Söhne und 15 Töchter unter 14 Jahren, 2 Söhne und 3 Töchter über 14 Jahren, 3 alte Männer und 10 alte Frauen; 6 Häuslinge, zugehörig 6 Frauen, 6 Söhne und 3 Töchter unter 14 Jahren und 1 Sohn über 14 Jahre; insgesamt 176 Einwohner. Auffällig ist die geringe Zahl der über 14jährigen Kinder. Aber diese waren meist auf auswärtige Höfe “vermietet”, um die schwer um die Existenz ringende Familie zu entlasten. Die gemeinschaftlichen Angelegenheiten betreffend war die Gemeinde den für Ort und Gemarkung Vechelde geltenden Regelungen der Gutsherrschaft bzw. des herzoglichen Amtes (1753 Amt Eich unter Amtmann Morgenstern) angeschlossen und wurde hierbei vertreten durch ihren “Bauermeister”- anfangs durch Ludolf Rickling, dann durch Bernd Behrens -, der auch für die Bekanntgabe der Anordnungen, der Leistungen und für die Ordnung zu sorgen hatte. Von exeistenzieller Bedeutung war die Teilnahmeregelung an der Kuhweide, die wegen der Weideberechtigung der Vechelder Wedtlenstedter, Wahler und Denstorfer oft zu Reibereien führte, zumal die Gemeinde ohne eigene Gemarkungsfläche war. Als gemeinschaftliche Anlage hatte die Gemeinde das Backhaus, von dessen Grundfläche jährlich 6 mgr zu entrichten waren. Die kricheliche Betreuung  erfolgte ebenfalls in Vechelde, wahrgenommen druch den Pfarrer von Wedtlenstedt, da Vechelde seit der Reformation “filial” (Tochterkirche) von dort war. In der Kirche zu Vechelde, die Herzog Rudolph August 1695 errichten ließ, und über die die Gutsherrschaft das Patronat hatte - dazu war der “Herrenstuhl” in der Kirche reserviert -, war nach der Beschreibung des Pastors Peßler vom Jahr 1753 “eine lange Priche mit doppelten Sitzen oder Bänken vor die übrigen Manns-Persohnen in Vechelde und Vechelade”. Die übrigen Sitze,  “deren sich ehedem die Cavaliere bedient”, seien jetzt “denen Bürgern und handwerkern in Vechelde eingeräumt”. Die Vechelah´schen rangierten also zuletzt. Vorgänger von Pastor Peßler waren die Pastoren Oesterreich (ab 1733) und Heilmann (gestorben 1732). Nach Vechelde mußten auch die Vechelader Kinder zur Schule. Diese, mit der Kirche auf dem “Appelkamp” erbaut, war 1753 ein kleines, baufälliges Strohdachhäuschen, das außer der dürftigen Wohnung des Schulmeisters ein Schulstübchen mit 4 Bänken, 1 Tannen-Schrank (“wo des Pastors Mantel zu  hängen pflegt”), 1 schwarzen Tafel und 1 eisernen Ofen enthielt. Der Schulmeister unterstand dem Pfarrer nach Maßgabe des Consistoriums in Wolfenbüttel udn hatte ein klägliches Einkommen. Immerhin: Trotz dieser dürftigen Verhältnisse war den Kindern unter den oft schlechtesten elterlichen Umständen die Möglichkeit gegeben, in der strengen religiösen Zucht der Schule etwas zu lernen, nicht nur Schreiben, Lesen, Rechnen, sondern auch Gesittung, zumal die Eltern sich wenig um sie kümmern konnten. Da im Durchschnitt der Jahre 1767-1776 3 Kinder konfirmiert wurden, kann eine Mindestzahl von 15-20 Schulkindern in Vechelade angenommen werden. Allerdings werden weniger Schule besucht haben, da die Kinder auch zur Arbeit gebraucht wurden und die Eltern auch das Schulgeld nicht erübrigen konnten; außerdem die Behörden trotz der schon 1651 erlassenen ersten Schulordnung und ihrer vorbildlichen Neuregelung durch Herzog Karl (1753) gegen die ungünstigen Verhältnisse noch nicht ankamen. So kam es 1837 zu Beschwerden der Vechelader gegen die verhängten Bestrafungen wegen nichterfolgtem Schulbesuch der Kinder. Sie beklagten den beschwerlichen Schulweg der zarten und dürftig gekleideten Kinder - bei schlechtem Wetter über moorige Wiesen und Gräben mit schmalen und gefährlichen Stegen und über Hecken und Höfe der Vechelder Bauern, die umständliche Einholung einer Entschuldigungsbestätigung vom Pastor in Wedtlenstedt, den unzulänglichen und mißhandelnden Lehrer, die Unmöglichkeit einer Geldstrafe oder gar Gefängnis, wodurch die Ernährung der teils siebenköpfigen Kinderschaar gefährdet sei; und wollte schließlich für den Unterricht im eigenen Dorf die Scheuer des Brinksitzers Ernstig herrichten. Die bei späteren Vernehmungen von Vechelader Bürgern mit drei Kreuzen bezeichneten Unterschriften kennzeichnen die Tatsache des nichterfolgten Schulbesuchs während dieser Zeit. Schulmeister waren damals Christian Bohnhorst (bis 1755), Christop Lüdecke (bis 1767), Johann Sigismund Tiemann (bis 1789, dann dessen Sohn Nathalis). Aus den Berichten des Letzteren und der Schulvisitatoren sind die schlechten baulichen und Einnahme- Verhältnisse der Schule zu erkennen und das Bestreben der Gemeinden Vechelde und Vechelade zum Neubau, wozu diese mit 2/3 und 1/3 Baukosten zu tragen hätten. Die Bedrängnis der Gemeinde bei der Durchführung gemeinschaftlicher Angelegenheiten geht z. B. aus folgenden Begebenheiten hervor: Im Jahr 1767 ergeht eine Bittschrift an den Herzog um Schenkung eines Begräbnisplatzes “von dem vor unsren Höfen hinreichenden Moor-Anger”. Der Vechelder Friedhof sei zu klein für beide Gemeinden geworden, auch sei der Leichentransport bei schlechtem Wetter beschwerlich, zumal kein “bespannter Einwohner” vorhanden sei. Hierzu protestierte Vechelde wegen der Beeinträchtigung der Viehweide auf dem Gemeindeanger. Wegen der evtl. Benutzung des Kaninchenberges zu diesem Zweck hatte die Kammer Vorbehalte des Herzogs anzumelden. Wegen der Kuhweide ergab sich 1820 ein Prozeß mit der Kammer, da die Gemeinde Vechelde als Pächterin der Schäferei der Kammer ihre Schafe im Buch und Nachtbleek statt bis Liebfrauentag (25.02.) bis Johannis weiden ließ, wodurch die Triebe abgefressen würden und für die Kühe kein Futter mehr nachwachsen könne. Ein Prozeß der Kirche und Pfarre zu Wedtlenstedt gegen die Gemeinden Vechelde und Vechelade wegen Aufbringung der Kosten des neuen Pfarrhauses zu Wedtlenstedt endete mit einem Vergleich (1831-1837), da nach einer früheren Entscheidung des königl. Westfäl. Friedensgerichts die Gemeinden nur Hand- und Spanndienst zu leisten hatten. Die Verhältnisse der Gemeinde während dieser Zeit sind teils aus vorstehenden Berichten ersichtlich. Die Baukosten zum Schulbau (1799) konnten nicht aufgebracht werden, da Vechelder Reihewohner verschuldet seien, die Feldmark 1796 durch Hagelschaden vernichtet und 1795 der Flachs mißraten sei, und die Vechelader nur Brinksitzer seien und sich vom Spinnen und Tagelohn oder Leinweber, Schneider und Schlächter ernährten. Die Existenzfrage für die Familien war dadurch verunsichert, daß seit dem Ableben der Herzogin Witwe “E.S.M.” und dann des Herzog Ferdinand, der auch die volle Gerichtsbarkeit ausübte, nicht nur die Erwerbsmöglichkeit im Dienst der Hofhaltung und des Gutsbetriebes (landwirtschaftliche und handwerkliche Arbeit), sondern auch die Fürsorge dieser beiden als Spender, Paten und auch als Fürsprecher bei der Regierung dahinschwanden, - auch wenn einigen Einwohnern bei der folgenden Verwendung des Schlosses als Erziehungsanstalt (1804-1819) durch den Pädagogen Hundeiker hier noch Erwerbsmöglichkeit gegeben war - so daß die Existenzmöglichkeit der inzwischen auf 163 (1790) und weiter 254 (1821) vermehrten Einwohner überschritten war.
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